Guernica-Gaza

Guernica

Am 26. April 1937 um 16:30 Uhr begann der 3½-stündige  Angriff auf Guernica durch die „Legion Condor“. Dreißig deutsche und drei italienische Bomber erprobten hier die systematische Terrorisierung einer Bevölkerung aus der Luft. Das Massaker diente der Perfektionierung von Waffentechnologien und strategischer Kriegsführung sowie der praktischen „Ausbildung“ von Soldaten, die so auch kampferprobt in den zweiten Weltkrieg ziehen konnten. Darüber hinaus verhalf die faschistische Schützenhilfe Franco zur Übernahme der Macht in Spanien. Die Aggression gegen Guernica brachte neue Dimensionen von flächendeckender Zerstörung hervor; sie bereitete der bis heute herrschenden Kriegstaktik des zweiten Weltkriegs (z.B. die Fliegerformation „Schwarm“) den Boden.

Tief fliegende Bomber zerstörten mit einer Gesamtabwurfmenge von 31000 kg etwa ¾ der Stadt. Zentrale Ziele des Angriffs waren Krankenhäuser, Wasserleitungen und Kirchen; zivile Strukturen wurden gezielt vernichtet. 250 kg Brandbomben entzündeten die Häuser und hüllten die Stadt in dichten Rauch. Weitere Bomben (50 und 250 kg Sprengbomben, Splitterbomben von 10 kg sowie 1 kg Streubrandbomben) wurden nun blind abgeworfen. Die aus ihren brennenden Häusern vertriebenen Menschen wurden im Tiefflug unter Granatenregen und Maschinengewehrbeschuss in die provisorischen Unterstände getrieben; in den Worten von Juan Guezureya, einem Augenzeugen: „In einer Höhe von etwa 30 Meter flogen die […] Maschinen hin und her wie fliegende Schäferhunde, die eine Menschenherde zum Schlachten zusammentreiben.“ Weiter Brandbomben begruben die so Eingepferchten dann unter den brennenden Trümmern. Die Opfer der 7000 Einwohnerstadt, die zur Zeit des Angriffs weitere 3000 Bürgerkriegsflüchtlinge beherbergte, konnten nicht gezählt werden; die Zahlen reichen von 1200- 2000 Toten.

Gaza

Die Aggression gegen die seit 2007 unter völliger Blockade lebenden Bevölkerung des Gaza dauerte vom 27.12.2008 bis zum 18.01.2009. Bereits am ersten Tag stieg die Zahl der Toten unter 100 Bomben von 80 Kampfflugzeugen auf 200; in den ersten zwei Tagen allein wurden 300 Bombenangriffe geflogen. Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und Kindergärten, Universitäten, Moscheen, Einrichtungen zur Wasser- und Nahrungsmittelversorgung wurden zerstört. In dicht besiedelten Gebieten setzte die israelische Armee unter anderem weißen Phosphor, DIME Bomben, Flechettes, sowie (abgereicherte) Uranmunition ein. Palästinenser dienten als lebende Schutzschilde für die Tötungszüge der Soldaten. Mit modernster optischer Technologien, darunter unbemannte Drohnen, wurden medizinisches Hilfspersonal, Frauen und Kinder ermordet, auch durch Scharfschützen, die Häuser der Palästinenser besetzten. Bulldozer rissen Häuser ein, Panzer zermalmten Fahrzeuge und Agrarflächen, Fliehende wurden gezielt erschossen, Artillerie agierte von allen Grenzen, aus der Luft und vom Meer. Menschen, auch Frauen und Kinder, wurden verschleppt, gefangengenommen und misshandelt. Durch die hermetische Abriegelung aller Grenzen und das flächendeckende Bombardement war jeder Fluchtversuch von vornherein sinnlos.

Der über drei Wochen dauernde Massenmord brachte 1444 Todesopfer, darunter 460 Kinder, 5500 Verletzte, davon 1855 Kinder, hervor; 250 Menschen wurden nach Israel verschleppt. Etwa 20000 zerstörte Wohnhäuser hinterließen ein obdachloses Volk. Die Langzeitwirkung der Waffen, auch aus deutschen Lieferungen, wird das Leid weit in die Zukunft forttragen. Die Knappheit an Baumaterial und Treibstoff sowie 600000 Tonnen von Schutt verhindern eine Perspektive des Neuaufbaus. Fehlende Medikamente und Nahrungsmittel durch die andauernde Blockade machen das (Über-)leben der Bevölkerung des Gaza immer schwerer. Die zerstörte Wasserversorgung dramatisiert die Lage der Trinkwasserversorgung; Abwässer fließen ungeklärt durch die Felder und Straßen. Der „totale Krieg“ Israels, hinterlässt seit Jahrzehnten eine traumatisierte, mittellose Bevölkerung; Solidarität und Zusammenhalt formieren den Widerstand, der die Verbrechen überwinden und Gerechtigkeit herstellen wird.