NATO und NGOs Raus aus Afghanistan

Der folgende Text wurde im Februar 2011 geschrieben. Abgesehen von ein paar Namen hat sich nicht viel geändert. Die NATO-Besatzung ist und bleibt das vordringliche Problem. Der Widerstand gegen die Besatzer ist und bleibt ungebrochen.

Historischer Hintergrund

Bis zum Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 war Afghanistan ein friedliches Land. Erst nach 10 Jahren Besatzung und Krieg zogen sie 1989 wieder ab. Die Regierung Najibullah, welche die Sowjetunion mit ihren Truppen gestützt hatte, wurde 1992 gestürzt. Das Land verfiel in Chaos und Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Gruppen von Mujahideen und bewaffneten kriminellen Banden. Die Taliban organisierten sich in dieser Phase unter Führung von Mulla Omar. Im Jahre 1996 marschierten die Taliban in das vom Krieg weitgehend zerstörte Kabul ein und übernahmen die Regierung.

Dies waren keine Politiker, Juristen, Diplomaten, Bankiers, Manager oder Verwaltungsbeamte. Sie konnten kaum Englisch sprechen und hatten keine Erfahrungen aus der Welt der internationalen Diplomatie oder mit multimedialer Unterhaltung und Propaganda . Sie kamen vor allem aus ländlichen Gebieten über Madrassas zum Kampf für eine bessere Zukunft Afghanistans. Sie erklärten den Heiligen Quran zur Verfassung Afghanistans. Ihre vordringlichen Aufgaben waren:

  • Beendigung des Krieges
  • Wahrung der Einheit des Landes
  • Entwaffnung der bewaffneten Gruppen
  • Wiederherstellung ziviler Sicherheit

Die Taliban-Regierung unter Mulla Omar war sehr erfolgreich in der Realisierung dieser Ziele. Die Taliban waren bekannt dafür, weder an Selbstbereicherung interessiert, noch Lügner zu sein. Sie versuchten, den Geboten ihres Glaubens zu entsprechen. Das macht ihre Glaubwürdigkeit aus.

Durch Einbeziehung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Akzeptanz traditioneller Strukturen gelang es den Taliban, den Krieg im Land weitgehend zu beenden und die lokalen Autoritäten für die Durchsetzung der zentralen Prioritäten zu gewinnen.

Die Mujahideen und andere kämpfende Gruppen gaben ihre Waffen ab und lösten sich auf. Kriminelle Aktivitäten verschwanden weitgehend aus dem Leben Afghanistans. Entführungen, Vergewaltigungen, Morde, ebenso wie Korruption und Diebstahl wurden geächtet und die Täter streng bestraft. Das Gerichtswesen wurde reorganisiert.

Auf dieser Basis konnten dann weitere Schritte in Richtung Wiederaufbau und Entwicklung des Landes gegangen werden. Eine schwere, mehrjährige Dürre dezimierte jedoch die Ernten und erschwerte die Versorgung der Bevölkerung und Rückkehr der vielen Flüchtlinge.

Angriffe gegen Afghanistan

Die UNO erkannten die Taliban-Regierung nicht an und benannten offiziell jemanden als afghanischen Präsidenten, der keinerlei Einfluß in Afghanistan hatte und sich nur aus familiären Gründen im Lande aufhalten durfte. Im August 1998 bombardierten die USA Afghanistan und Sudan unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung. Der UNO-Sicherheitsrat verhängte im Oktober 1999 Sanktionen gegen Afghanistan. Die Sanktionen wurden im Dezember 2000 und Juli 2001 ausgeweitet und verschärft.

Seit Beginn waren NGOs an der Vorfront einer massiven Kampagne zur Dämonisierung der Taliban. Die afghanische Regierung lehnte in der Anfangszeit eine Zusammenarbeit mit ausländischen Organisationen und NGOs ab. Ihre Prioritäten lagen in der Wahrung der Einheit des Landes und Beendigung des Krieges. Später änderten sie ihre Einstellung und zeigten sich zur Zusammenarbeit bereit, bestanden jedoch auf der Einhaltung der afghanischen Gesetze und Verordnungen.

Im Herbst 2001 lief eine großangelegte Hilfskampagne in Afghanistan. Nahrungsmittel, Kleidung und Brennstoffe sollten vor dem Winter verteilt werden. Impfprogramme waren angelaufen. All diese Hilfsprogramme wurden mit Beginn der US-Invasion im Oktober eingestellt und die Menschen in Afghanistan im Stich gelassen. Hunderttausende Afghanis überlebten diesen Winter nicht, weitere Millionen mußten fliehen.

Afghanistan unter Besatzung

Die Ereignisse vom 11. September 2001 wurden von der NATO als Vorwand genommen, um Afghanistan zu überfallen und zu besetzen. Die Besatzung kombiniert sog. ‚zivile‘ und ‚militärische‘ Komponenten zu einem integrierten Kolonialisierungsangriff. Alle zusammen, Soldaten, Polizisten, Helfer, Berater und Experten, sind koloniale Aggressoren. Ihre afghanischen Kollaborateure und einheimischen Hilfstruppen sind ebenfalls Teil der Besatzung.

Seit dem Winter 2001 ist Afghanistan unter NATO-Besatzung, gestützt auf derzeit 154.000 Truppen aus 48 Ländern, davon 130.000 unter NATO Kommando. Auch auf Pakistan wurde der Krieg ausgeweitet. Die Besatzungstruppen werden verstärkt durch afghanische Hilftruppen (die sog. nationale Polizei und Armee) und private Repressionsdienstleister (kommerzielle „Sicherheitsdienste“ und Söldner). Trotz massivem Einsatz von Truppen und tausenden von Bombenangriffe gelang es den Besatzern jedoch bisher nicht, die afghanische Bevölkerung zu unterwerfen.

Auf der anderen Seite steht der Widerstand von Afghanen gegen die Besatzung und Kolonisierung ihres Landes. Dieser Widerstand hat vielfältige Formen und wird von vielen getragen. Der bewaffnete Kampf gegen die Besatzer ist Teil des Widerstands, ist sowohl notwendig, als auch legitim.

Voraussetzungen für Frieden in Afghanistan

Bevor die verschiedenen ausländischen Mächte sich in Afghanistan eingemischt haben, war das Land friedlich. Und Afghanistan wird erst wieder Frieden finden können, wenn die Ausländer weg sind. Alles analysieren und debattieren über Probleme in Afghanistan muß das Hauptproblem klar benennen: die Besatzung und Kolonisierung des Landes.

Afghanistan wurde überfallen und besetzt. So einfach ist das. Diese einfachen Fakten zu verschweigen, drumrumzureden oder zu leugnen, sind nichts weiter als armselige Versuche zur Rechtfertigung der Aggression.

Unsere Forderungen sind daher klar und eindeutig:

  • Sofortiger, bedingungsloser Rückzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan und Pakistan.
  • Abzug aller NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) und ihrer Partner, deren Einnahmen zu guten Teilen aus Ländern stammen, die Teil der Besatzung sind.
  • Keine Unterstützung für die koloniale Statthalterregierung von Karsai.
  • Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans oder Pakistans.